Wenn Menschen klagen, dass Technik früher viel einfacher war und dennoch besser funktioniert hat, tun viele das als Nörgelei ab. Und trotzdem steckt ein wahrer Kern darin, wie der Ex-Microsoft-Entwickler David Plummer in seinem neuesten Youtube-Video erklärte.
Denn obwohl Hardware seit seiner Zeit bei Microsoft und Windows gewaltige Sprünge gemacht hat, fühlen sich viele Systeme heutzutage schwerfälliger denn je an und sind zudem fehleranfälliger. Woran das liegt, lässt sich nicht so leicht erklären. Doch Plummer schafft genau das und gibt sogar erste Lösungsansätze.
Das Effizienzproblem
Das Kernproblem moderner Software liegt für Plummer vor allem in ihrer mangelhaften Effizienz. PCs und Laptops müssen heutzutage Multitasking zwischen verschiedensten Anwendungen bewältigen, die teilweise mehr Ressourcen verbrauchen, als sie eigentlich müssten.
Der Grund dafür liegt laut ihm genau in dem Umstand, dass durch neuere Technik mehr möglich ist als früher. Wenn den Anwendungen und auch ihren Entwicklern weniger Grenzen durch Hardware-Limitierungen gesetzt werden, sind sie nicht mehr an effizienten Lösungen interessiert. Sondern vielmehr daran, was noch alles an Funktionen und Neuerungen hineingepackt werden könnte.
Plummer geht davon aus, dass für Entwickler andere Standards relevant geworden sind. Als er zwischen 1993 und 2003 bei Microsoft arbeitete, war er etwa an der Entwicklung von FAT32, einem Dateisystem für Windows 95, beteiligt. Dieses musste mit einer maximalen Dateigröße von gerade einmal 4 GB und einer maximalen Partitionsgröße von 2 TB auskommen und zudem mit zahlreichen Arten von Wechseldatenträgern kompatibel sein.
Letztlich wurde FAT32 nur als Notlösung entwickelt, erwies sich aber als so effizient, dass es teilweise heute noch zum Einsatz kommt. Und das gut 30 Jahre später.
Im Gegensatz dazu sind Hardware und Software heutzutage nicht mehr so gut aufeinander abgestimmt. Moderne Systeme müssen weniger nutzerfreundlich sein, sondern vor allem “business-orientiert” arbeiten. Das bedeutet, dass Entwickler lieber immer mehr Funktionen, Werbemöglichkeiten oder neuerdings Anwendungsfälle für Künstliche Intelligenz einbauen, statt sich auf das Wesentliche zu fokussieren.
Laut Plummer führt das zu einer geringeren Effizienz und Performance, unnötiger Bloatware, Co-Abhängigkeiten verschiedener Programme und vielen weiteren Problemen, die vermeidbar wären.
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Die Lösung?
Sollten sich Unternehmen wie Microsoft dazu entscheiden, den Fokus wieder mehr auf Performance und Effizienz zu legen, bräuchte es laut Plummer vor allem ein striktes Management von Ressourcenbudgets. Das bedeutet konkret, dass ein Programm X beispielsweise nur Y Zeit beim Start von Windows in Anspruch nehmen dürfte. Schafft es das nicht, muss es weiter optimiert werden, bevor es veröffentlicht und eingebaut wird.
Wenn eine Funktion die festgelegte Grenze an RAM-Verbrauch erreicht, muss sie ebenso optimiert werden, bevor etwa neue Funktionen hinzukommen. Software-Entwickler müssten sich also häufiger entscheiden, wie ihr Programm auf jeder Hardware optimal laufen kann, anstatt auszureizen, was auf der besten Hardware alles theoretisch möglich wäre.
Dazu wäre es also notwendig, weniger krampfhaft auf Innovation zu setzen, um neue Produkte zu verkaufen. Sondern vielmehr die maximale Leistungsfähigkeit in den Mittelpunkt zu rücken. Ob Unternehmen wie Microsoft dazu bereit wären, ist allerdings fraglich, da insbesondere der Fokus auf KI die Prioritäten immer mehr zu verschieben scheint.
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