Mit Torrent-Suchmaschinen wie „Pirate Bay“ oder „1337x“ ist Bittorrent in der Schmuddelecke der Urheberrechtsverletzer ähnlich dem Usenet. Das verdeckt aber die Tatsache, dass das Bittorrent-Protokoll technisch genial und natürlich legal ist, solange es die Downloadinhalte sind.
Trotzdem befasst sich der gesetzestreue Internetnutzer mit Torrent-Downloads allenfalls dann, wenn es keine Alternative gibt. Genau das ist aber im Linux-Umfeld gar nicht so selten, da sich manche Distributions-Maintainer keine Serverinfrastruktur leisten wollen, die per HTTP-Download genügend Durchsatz leistet.
Auch potente Maintainer wie Canonical/Ubuntu bieten neben HTTP den alternativen Torrent-Download. Dieser Beitrag soll zeigen, dass Bittorrent mindestens seinen Platz als Alternative verdient.
Lesetipp:
Wo sich Bittorrent lohnt
Wenn der Verfasser dieses Artikels ein Distributions-ISO benötigt, nutzt er im Browser den direkten HTTP-Download. Und wenn der Download der gewohnten Bandbreite des Internetzugangs halbwegs entspricht, dann bleibt es dabei. Bei zähen Kilobyte-Tröpfeleien beginnt aber sofort die Suche nach einem alternativen Torrent-Download.
Die Gründe für unzumutbare Bandbreiten liegen entweder bei generell unterdimensionierten Downloadservern oder bei aktuell überlasteten Servern, etwa bei nach neu veröffentlichten Systemversionen.
In beiden Fällen ist ein Bittorrent-Download ideal: Während sich HTTP-Downloads die Bandbreite teilen müssen und mit wachsender Anzahl immer langsamer werden, werden Bittorrent-Downloads bei vielen Interessenten umso schneller: Je gefragter ein Download gerade ist, desto mehr Peers sind zu erwarten, die sich die Uploadlast teilen.
Ein weiterer Vorzug von Bittorrent ist die Schnittstellenbündelung: Wenn das Downloadgerät an zwei oder mehreren Netzen angeschlossen ist, erfolgt die Übertragung standardmäßig auf allen Netzwerkadaptern. Mehrere Internetzugänge sind in Heimnetzen zwar die Ausnahme, aber dieser Download-Boost verdient dennoch einen Hinweis.
Die beste Torrent-Lösung im Netz

Qbittorrent: Die Infos, Filter und Optionen in Qbittorrent sind überladen, aber die meisten Elemente können Sie einfach ignorieren.
IDG
Bittorrent-Software gibt es im Dutzend. Unter Linux oft vorinstalliert ist das Tool Transmission. Im Kontext dieses Netzwerk-Specials empfehlen wir aber eine Serverlösung. Ein zentraler Bittorrent-Empfänger, den dann alle Netzgeräte im Browser nutzen können, erspart die Einrichtung verstreuter Bittorrent-Programme auf den Einzelgeräten.
Das empfohlene Tool nennt sich „qBittorrent“ und ist für jedes Linux-System mit dem Paketnamen „qbittorrent-nox“ zu beziehen (etwa auf Debian/Ubuntu):
sudo apt install qbittorrent-noxNach dem Start mit
qbittorrent-noxist die Oberfläche standardmäßig mit „[Server- IP]:8080“ mit jedem Browser im Netzwerk erreichbar. Ein dauerhaftes Browser-Lesezeichen erspart die Adresseingabe. Der Zugang erfolgt zunächst als Benutzer „admin“ mit Kennwort „adminadmin“.
Dies kann und sollte natürlich über „Werkzeuge –› Optionen –› Weboberfläche“ personalisiert werden. Beachten Sie, dass diese Einstellung wie auch alle weiteren der zahlreichen Konfigurationsoptionen unter jenem Benutzerkonto gespeichert werden, das die Software am Server gestartet hat. Daher sollte qbittorent-nox immer mit demselben Konto gestartet werden.

Mit den passenden Einstellungen erledigt der Qbittorrent-Server den Download automatisch, sobald eine Torrent-Datei ankommt.
IDG
Schon mit der Standardkonfiguration kann jeder Netzrechner Torrent-Dateien zum Server hochladen („Datei –› Torrent-Datei hinzufügen“) und damit den Download auslösen, der dann auf dem Server landet. Es lohnt aber auf jeden Fall, die umfangreiche Konfiguration mindestens unter „Werkzeuge –› Optionen –› Downloads“ anzupassen.
Als „Standardspeicherpfad“ für die Downloads sollte ein Ordner eingetragen werden, der für alle Netzwerkgeräte per Samba erreichbar ist.
Weiterer Komfort entsteht dadurch, dass Qbittorrent ein Verzeichnis auf ankommende Torrent-Dateien überwacht („torrent-Dateien aus diesem Verzeichnis automatisch hinzufügen“) und beim Eintreffen den Download automatisch startet.
Wenn dieses Verzeichnis für die anderen Rechner per Samba erreichbar ist, dann genügt es, die Torrent-Datei mit dem Dateimanager dorthin zu kopieren. Der Einfachheit halber können Sie als Downloadpfad und als überwachten Pfad für die Torrents dasselbe Verzeichnis wählen.
Aktivieren Sie in der Downloadkonfiguration ganz oben außerdem die Option „.torrent-Datei löschen“, damit jeder begonnene oder erledigte Download nicht ein zweites Mal getriggert wird.
Vergessen Sie nach Konfigurationsänderungen nicht das „Speichern“ mit der Schaltfläche ganz unten (meist erst nach Scrollen sichtbar!).
Für die Beobachtung der Downloads bleiben Neulinge am besten bei der ungefilterten Ansicht „Alle“. Das Hauptfenster zeigt den Fortschritt und die Geschwindigkeit. Nach erfolgtem Download geht der Torrent automatisch in den reinen Seed-Modus, dient also als Uploadserver.
Wer den sozialen Aspekt von Bittorrent schätzt, lässt das Tool einige Zeit im Seed-Modus weiterlaufen. Manche Torrent-Tracker überwachen das Download-Upload-Verhältnis („ratio“) und bestrafen unsoziale „Leecher“ mit verringerter Bandbreite. Bei seriösen Distributionsdownloads sind solche Strafen aber nicht zu erwarten.
SOCIAL SHARE CARD GENERATOR