Microsoft integriert seinen KI-Assistenten Copilot immer enger in Windows 11. Mit Windows 11 25H2 hat das Unternehmen neue Funktionen aktiviert, die Sie jetzt nutzen können. Die waren zwar zuvor schon integriert, sind aber erst jetzt freigeschaltet.
Übrigens: Um schneller an Neuerungen zu kommen, kann es helfen, die Funktion “Erhalten Sie die neuesten Updates, sobald sie verfügbar sind” in den Windows 11-Einstellungen bei “Windows Update” zu aktivieren. Nehmen Sie an dieser Stelle auch am Insider-Programm von Windows 11 teil, erhalten Sie Updates teilweise ebenfalls schneller. Es kann aber etwas dauern, bis Sie alle KI-Funktionen nutzen können.

Thomas Joos
Dazu gehören auch Funktionen in den Bordmittel-Apps, etwa Copilot in Outlook, KI-gestützte Erstellung von Texten im Editor/Notepad sowie die Erstellung von KI-Bildern in Paint. Ebenfalls neu sind KI-Funktionen im Datei-Explorer von Windows 11, und auch der Browser Edge erhält immer mehr KI-Funktionen.
Wir gehen nachfolgend auf die verschiedenen Möglichkeiten ein, um KI in Windows 11 zu nutzen. Auch die umstrittene Funktion Recall spielt dabei eine Rolle. Lokale KI-Funktionen werden auch immer wichtiger, zumindest, wenn eine NPU im Rechner verbaut ist und es sich um einen Copilot+ PC handelt.

Chris Hoffman / Foundry
KI im Datei-Explorer: Windows 11 wird zum intelligenten Arbeitsplatz
Mit Windows 11 Version 25H2 erhält der Datei-Explorer die bisher tiefste Integration künstlicher Intelligenz im System. Sobald Sie eine Bilddatei im Format JPG, JPEG oder PNG mit der rechten Maustaste anklicken, zeigt das Kontextmenü neue KI-Aktionen an. Diese sogenannten “AI Actions” ermöglichen es, den Hintergrund zu entfernen, Objekte automatisch zu löschen, den Hintergrund weichzuzeichnen oder eine visuelle Websuche über Bing Visual Search auszuführen.
Dadurch können Sie Bildbearbeitungen direkt im Explorer durchführen, ohne eine zusätzliche Anwendung zu öffnen. Für Dateien in Onedrive oder Sharepoint kann Copilot Zusammenfassungen generieren oder häufige Fragen aus dem Dokumenteninhalt erstellen. Voraussetzung dafür ist ein Microsoft 365-Abonnement mit Copilot-Lizenz. In der EU stehen einige dieser Optionen noch nicht zur Verfügung, da die Bereitstellung regional begrenzt erfolgt. Das sind weitere Einschränkungen bei den KI-Diensten. Es sind teilweise noch zusätzliche Abonnements notwendig.
Die Funktion “Click to Do” ergänzt den Datei-Explorer um weitere KI-Steuerelemente. Sie erlaubt es, markierte Texte, Bilder oder Dokumente automatisch zu erkennen und passende Aktionen vorzuschlagen. Das System kann zum Beispiel den Inhalt eines Protokolls zusammenfassen oder direkt eine passende Antwort-E-Mail vorbereiten. Auf Copilot+ PCs mit integrierter NPU läuft diese Verarbeitung lokal, wodurch der Energieverbrauch gering bleibt und keine Daten in die Cloud übertragen werden.
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Neuer Copilot-Button und KI-Vision in der Taskleiste
Parallel zu den Neuerungen im Explorer integriert Microsoft in 25H2 einen zusätzlichen Copilot-Button in der Taskleiste. Sobald Sie mit der Maus über ein geöffnetes Programm in der Taskleiste fahren, erscheint im Vorschaufenster ein Schalter mit der Bezeichnung “Mit Copilot teilen”. Ein Klick darauf übergibt den aktuellen Bildschirminhalt an Copilot Vision, das den Kontext analysiert und anschließend passende Hilfestellungen anbietet. Damit können Sie Informationen aus einem geöffneten Word-Dokument zusammenfassen lassen, ohne die Anwendung selbst zu öffnen.
In zukünftigen Builds wird zusätzlich ein sogenannter Taskbar Companion getestet, der KI-Agenten direkt in die Taskleiste integriert. Diese können Routineaufgaben wie das Starten von Apps, das Erstellen von Erinnerungen oder das Anzeigen von Systeminformationen übernehmen. Microsoft möchte damit die KI-Funktionen stärker in den Arbeitsfluss einbinden, was allerdings nicht bei allen Anwendern auf Zustimmung stößt.
Viele Nutzer empfinden die zunehmende Präsenz des Copilot-Assistenten als überladen, da sich die Symbole mittlerweile in fast jeder Windows-Komponente finden. Damit Sie diese Funktionen nutzen können, brauchen Sie Windows 11 25H2 und sollten Windows Insider sein, damit Sie auch Vorabfunktionen erhalten.
KI-Werkzeuge in Paint, Notepad und Snipping Tool
Mit 25H2 werden auch die klassischen Windows-Programme vollständig modernisiert. Paint verfügt jetzt über drei weitere KI-Funktionen: den Sticker-Generator, der aus Texteingaben Grafiken erstellt, das Object-Select-Werkzeug zum gezielten Bearbeiten einzelner Bildelemente und den Image Creator, der Bilder basierend auf Prompts generiert. Dank Ebenen-Unterstützung und Transparenz-Regler lässt sich Paint ähnlich wie ein vereinfachtes Grafikprogramm verwenden.

Thomas Joos
Das Snipping Tool bietet mit “Perfect Screenshot” eine intelligente Auswahlfunktion, die Bildausschnitte automatisch an erkannte Inhalte anpasst. Eine neue Texterkennung kann mit “Win + Shift + T” aktiviert werden, um Text aus Screenshots direkt zu kopieren. Auch ein Color Picker ist integriert, der Farbwerte in HEX-, RGB- oder HSL-Code umwandelt. Notepad wiederum wird immer mehr zum Textassistenten.
Über die Funktion “Write” kann Copilot Texte nach Anweisung verfassen, erweitern oder überarbeiten. Die Nutzung erfolgt über das Kontextmenü oder per Tastenkombination “Strg + Q”. Microsoft 365-Abonnenten können dafür AI-Credits verwenden, die automatisch aus ihrem Konto abgebucht werden.
Windows AI Labs: Testumgebung für experimentelle Funktionen
Mit dem neuen Programm Windows AI Labs führt Microsoft eine separate Plattform ein, über die Sie experimentelle KI-Features vorab testen können. Das Beta-Programm startet mit Paint und wird schrittweise auf Snipping Tool und Notepad erweitert. Interessierte Nutzer erhalten Einladungen über ein Pop-up im jeweiligen Programm. Die Freischaltung erfolgt serverseitig, ohne dass ein Update aus dem Store erforderlich ist.
Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Funktionen nicht garantiert in die finale Version übernommen werden. Der Ansatz ähnelt Googles Search Labs und ermöglicht es, Feedback direkt aus der Praxis zu sammeln, bevor neue Funktionen veröffentlicht werden.
Windows ML: Lokale KI-Entwicklung auf neuer Basis
Ein weiterer technischer Meilenstein ist die Integration von Windows ML in das Windows App SDK. Das Framework erleichtert Entwicklern die Nutzung lokaler KI-Funktionen und reduziert den Aufwand für die Anpassung an unterschiedliche Hardware.
Windows ML erkennt automatisch, ob eine Berechnung besser auf CPU, GPU oder NPU ausgeführt werden sollte. Diese Hardwaresteuerung erfolgt über sogenannte Execution Provider, die dynamisch nachgeladen werden. Dadurch können Anwendungen kleiner bereitgestellt und effizienter ausgeführt werden.
Windows ML ist mit der ONNX-Runtime kompatibel und unterstützt Modelle aus PyTorch, TensorFlow oder scikit-learn. Das System bietet Entwicklern die Möglichkeit, Richtlinien zu definieren, die Energieverbrauch und Leistung steuern. Damit wird Windows ML zur zentralen Grundlage für alle lokalen KI-Anwendungen in Windows 11.
Copilot in Outlook und Microsoft 365
Auch Outlook ist in Windows 11 jetzt standardmäßig integriert und profitiert von einer tiefen Copilot-Verknüpfung. Der Assistent kann eingehende E-Mails zusammenfassen, Antwortvorschläge generieren und den Tonfall oder die Länge automatisch anpassen.
Wenn Sie längere Unterhaltungen führen, erstellt Copilot kurze Zusammenfassungen, die den wesentlichen Inhalt auf den Punkt bringen. Außerdem kann er neue Nachrichten auf Basis weniger Stichworte entwerfen und dabei formale oder informelle Schreibstile berücksichtigen.

Thomas Joos
In Microsoft 365 erweitert Copilot seine Fähigkeiten auf Word, Excel und Powerpoint. In Word erstellt er vollständige Berichte oder Entwürfe nach wenigen Eingaben, in Excel analysiert er Tabellen, identifiziert Trends und schlägt Visualisierungen vor. Powerpoint kann mithilfe von Copilot komplette Präsentationen generieren, einschließlich Layout, Grafiken und Formulierungen. Durch die Integration in Onedrive und Sharepoint lassen sich alle generierten Inhalte automatisch speichern und freigeben.
Die Nutzung erfordert eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz, die pro Nutzer abgerechnet wird. Unternehmen können den Datenschutzgrad über Microsoft 365 Copilot, Bing Chat Enterprise oder Copilot Pro steuern.

Microsoft
Recall und Copilot+ PCs mit NPU
Auf den neuen Copilot+ PCs aktiviert Microsoft mit Windows 11 25H2 die Recall-Funktion erneut. Sie erstellt lokal gespeicherte Momentaufnahmen des Bildschirms und ermöglicht es, frühere Aktivitäten in natürlicher Sprache zu durchsuchen. Da die Daten ausschließlich auf dem Gerät gespeichert werden, bleibt der Zugriff lokal. Dennoch steht Recall unter Beobachtung, weil Sicherheitsexperten vor möglichen Datenschutzrisiken warnen.
Microsoft hat den Rollout deshalb zunächst auf Windows-Insider beschränkt. Copilot+ PCs sind speziell für lokale KI-Verarbeitung ausgelegt und verfügen über NPUs, die mehr als 40 Billionen Operationen pro Sekunde ausführen können. Dadurch lassen sich semantische Suchen, Übersetzungen und Textanalysen ohne Cloudverbindung durchführen.

Zum Auffinden der Aufzeichnungen tippt man entweder einen Begriff ins Suchfeld oder scrollt durch die Zeitleiste. Dabei zeigt sich, dass Recall alle 30 Sekunden Screenshots erstellt.
Foundry
Energieverwaltung und Systemoptimierung
Windows 11 25H2 verbessert die Energieverwaltung durch adaptive CPU-Profile. Das System erkennt, wenn Sie nicht aktiv arbeiten, und wechselt automatisch in stromsparende Zustände. Sobald Sie Maus oder Tastatur bewegen, kehrt der Prozessor ohne Verzögerung in den Leistungsmodus zurück.
Diese Optimierungen sind auch über Gruppenrichtlinien oder Microsoft Intune zentral steuerbar, wodurch Administratoren den Energieverbrauch in größeren Netzwerken gezielt steuern können. Neu ist zudem die Unterstützung von Wi-Fi 7 Enterprise Access Points, die höhere Datenraten und eine stabilere Verbindung in Unternehmensumgebungen ermöglichen.
Comet Browser: Erweiterung der KI-Funktionen im Web
Neben Edge gibt es mit Comet einen neuen Browser, der die KI-Funktionen von Windows 11 ideal ergänzt. Comet basiert auf Chromium und unterstützt sämtliche Chrome-Erweiterungen. Seine Besonderheit ist die tiefe Integration der KI-Suchmaschine Perplexity, die anstelle klassischer Suchergebnisse strukturierte Antworten liefert. Über eine Sidebar können Sie Webseiten öffnen und parallel im rechten Bereich KI-Abfragen starten.

Chris Hoffman / Foundry
Das System verarbeitet Spracheingaben über ein integriertes Mikrofon und liefert zusammengefasste Ergebnisse, Handlungsempfehlungen oder Listen. Damit entsteht eine durchgängige Arbeitsumgebung, in der Sie Aufgaben sowohl offline als auch online mit denselben KI-Werkzeugen erledigen können. Für viele Nutzer wird Comet damit zu einer logischen Ergänzung zu Edge und zu einem zentralen Werkzeug in der wachsenden KI-Landschaft von Windows 11.
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