Seit Neuestem bietet Microsoft Nutzern moderner SSDs eine Option, um deren Tempo deutlich zu steigern. Konkret geht es um einen Performance-Boost für NVMe-Laufwerke. NVMe steht für Non-Volatile Memory Express und ist ein besonders schnelles Protokoll für SSDs, das direkt über die PCIe-Schnittstelle mit dem Prozessor kommuniziert und herkömmliche SATA-SSDs damit übertrifft. Bisher bot Windows allerdings keinen nativen Treiber für NVMe, was die Leistung einschränkte.
Seit Dezember hat sich das geändert, denn sowohl in Windows Server 2025 als auch in Windows 11 gibt es nun einen nativen Treiber für NVMe-SSDs. Sie müssen ihn aber selbst aktivieren, um die Vorteile nutzen zu können. Wir zeigen, wie Sie die Funktion einschalten und ob sich der Boost tatsächlich lohnt.
Die Vorteile
Laut Microsoft bietet der Boost für NVMe-Laufwerke folgende Vorteile:
- Massive IOPS-Zuwächse / tatsächliche Leistungsgrenze der Hardware wird ausgeschöpft
- Geringere Latenz / geringere Round-Trip-Zeiten jeder Operation
- Höhere CPU-Effizienz / mehr Rechenleistung für Anwendungen statt für Speicher-Overhead
- Unterstützung fortschrittlicher NVMe-Funktionen wie Multi-Queue und direkter Befehlsübermittlung
Im konkreten Anwendungsfall soll das zu einer Verbesserung der sequenziellen Geschwindigkeiten um bis zu 500 MB/s führen, sowie zu bis zu 80 Prozent mehr IOPS pro Sekunde. Zudem soll die Verwendung des nativen Treibers bis zu 45 Prozent Rechenleistung einsparen.
Diese Werte können sich natürlich je nach System und SSD-Typ unterscheiden. Generell scheinen Anwender aber deutlich vom Performance-Boost zu profitieren. Und Sie brauchen lediglich eine passende NVMe-SSD sowie Windows 11 25H2, um es zu testen.
Diese Risiken gibt es
Allerdings gibt es auch einen Haken. Berichten zufolge kann es zu Problemen mit einzelnen SSDs kommen. So erkennen einige Festplattenmanager den NVMe-Speicher nicht mehr, nachdem der Treiber aktiviert wurde. Bei anderen verschwand das Laufwerk sogar vollständig oder wurde doppelt aufgelistet.
Zudem kam es in wenigen Fällen zu höheren CPU-Auslastungen oder Lags, vor allem in Spielen, die DirectStorage nutzen. Offenbar gibt es hier ein Problem mit der Kompatibilität, das noch genauer untersucht werden muss.
So aktivieren Sie den Boost
Um den neuen NVMe-Treiber in Windows 11 zu aktivieren, sollten Sie zunächst im Geräte-Manager den Abschnitt Treiberdetails Ihres Speicherlaufwerks überprüfen und sicherstellen, dass Ihr Laufwerk StorNVMe.sys verwendet. Andernfalls hat die Aktivierung dieses Treibers keine Auswirkungen auf Ihr System.
Danach gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, den Treiber zu aktivieren:
Möglichkeit 1: Windows-Registry
- Drücken Sie die Windows-Taste + R und geben Sie dann regedit ein.
- Navigieren Sie zu Computer\HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides.
- Fügen Sie in diesem Ordner die folgenden Werte vom Typ REG_DWORD hinzu, jeweils mit dem Hexadezimalwert „1“: 156965516 / 1853569164 / 735209102.
- Starten Sie den Computer neu.
Möchten Sie die Änderung rückgängig machen, navigieren Sie einfach wieder zum gleichen Ordner und löschen Sie die drei Werte. Nach dem Neustart wird die Änderung übernommen.
Möglichkeit 2: Power-Shell
Alternativ können Sie auch die Windows PowerShell nutzen, um mit Admin-Rechten folgende Kommandos einzugeben und mit einem Neustart anzuwenden:
- reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 156965516 /t REG_DWORD /d 1 /f
- reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 1853569164 /t REG_DWORD /d 1 /f
- reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 735209102 /t REG_DWORD /d 1 /f
Diese beiden Wege sind aktuell die einzigen, um den Treiber unter Windows 11 zu aktivieren, da er eigentlich für die Anwendung unter Windows Server vorgesehen ist. Der Performance-Boost richtet sich also in erster Linie an Unternehmen, private Anwender können ihn aber ebenfalls aktivieren, um davon zu profitieren.
Es ist aber nicht garantiert, dass jede NVMe-SSD gleich auf die Änderung reagiert. Daher kann es eben noch zu den weiter oben beschriebenen (oder unerwarteten) Problemen kommen. Ist das der Fall, sollten Sie die Änderung wieder rückgängig machen und darauf warten, dass Microsoft die Treiber anpasst.
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