Toma Stepunina | shutterstock.com
Seit Jahren versuchen IT-Organisationen, sich vom reinen Cost Center zum strategischen Partner zu entwickeln. Mit dem Aufstieg generativer KI verschärft sich diese Herausforderung zusätzlich. Was einst als „Shadow IT” – also die Nutzung von IT außerhalb zentraler Steuerung – begann, zeigt sich heute in neuer Form als „Shadow AI” (.
Shadow AI wird deshalb häufig primär als Sicherheitsproblem . Diese prägen die Wahrnehmung der IT und entstehen aus Projektergebnissen, Krisen und der täglichen Zusammenarbeit. Das beeinflusst Entscheidungen häufig stärker als die formale Governance.
Ist das dominante Narrativ beispielsweise „Die IT ist zu langsam und versteht unser Geschäft nicht“, wird der Weg an ihr vorbei zur logischen Konsequenz. Narrative wirken dabei wie ein Interpretationsfilter: Positive Erfahrungen werden als Ausnahmen gewertet, negative Erlebnisse bestätigen bestehende Überzeugungen. Auf diese Weise prägen sie auch das Vertrauen in die IT und damit die Bereitschaft, ihre Vorgaben zu akzeptieren – oder bewusst zu umgehen.
Operative Exzellenz ist somit notwendig, aber nicht ausreichend, um dieses Vertrauen zu verändern. Erst konsistent positive Erfahrungen können dafür sorgen, dass sich Narrative nachhaltig verschieben. Geschieht das nicht, wird selbst ein erfolgreiches Projekt weiterhin als Ausnahme interpretiert und nicht als Beleg für echten Wandel.
Die Enabling-Gap
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die konkreten Auswirkungen dieser Dynamiken: Ein internationaler Industriekonzern führt einen KI-Assistenten in seine ERP-Landschaft ein. Aus Sicht der IT ist das Projekt ein Erfolg: Es wurde sauber integriert, termingerecht ausgerollt und klar geregelt. Die Botschaft lautet: „Der KI-Assistent ist verfügbar. Wir sind AI-enabled“. Im Fachbereich stellt sich jedoch schnell Ernüchterung ein: Die Ergebnisse sind größtenteils generisch, der Geschäftskontext fehlt weitgehend und der Produktivitätsgewinn ist damit begrenzt. Hier zeigt sich die sogenannte „Enabling-Gap“: Die technische Bereitstellung ist nicht kongruent mit einer tatsächlichen, geschäftswirksamen Nutzung.
Während das Projekt für die IT formal abgeschlossen ist, beginnt für den Fachbereich die eigentliche Arbeit. Externe Unterstützung ist notwendig, um den KI-Assistenten in den spezifischen geschäftlichen wirkt dabei wie eine Art Seismograf, der Reibungsverluste und ungenutzte Potenziale sichtbar macht. Das eröffnet die Chance, die Rolle der IT neu zu definieren – weg vom reinen Kostenfaktor und reaktiven Bereitsteller, hin zu einem strategischen Partner für Wertschöpfung. (fm)
Dieser Beitrag wurde im Rahmen des deutschsprachigen Experten-Netzwerks von Foundry veröffentlicht. Lust mitzumachen? Jetzt bewerben!
SOCIAL SHARE CARD GENERATOR