
Judith Linine – shutterstock.com
Während die Investitionen in künstliche Intelligenz steigen, nimmt auch die Zahl der Entlassungen in der Technologiebranche weiter zu. Allein Microsoft streicht in dieser Woche rund 4.800 Stellen, was etwa 2,1 Prozent der Belegschaft entspricht.
Die jüngsten Kürzungen betreffen vor allem die Bereiche Commercial Sales und Xbox. Sie folgen auf zwei weitere Entlassungsrunden im Jahr 2025, von denen insgesamt rund 15.000 Beschäftigte beziehungsweise etwa vier Prozent der Belegschaft betroffen waren. Vor den aktuellen Stellenstreichungen beschäftigte Microsoft mehr als 220.000 Mitarbeiter.
Die Reduzierung der Belegschaft erfolgt zudem nur wenige Tage nach der Ankündigung von , Research Director bei der Info-Tech Research Group, dazu. „Die jüngsten Entlassungen sind Teil dieser laufenden Neuausrichtung.“
Microsofts Mitteilung an die Belegschaft
In einem Memo an die Mitarbeiter, , Executive Vice President und Chief People Officer bei Microsoft, die Entlassungen spiegelten den grundlegenden Wandel wider, den KI derzeit auslöse.
„Unser Geschäft verändert sich, weil sich die Welt um uns herum verändert“, schreibt sie. „Unternehmen können sich nicht aussuchen, ob sich ihre Branche verändert. Sie können nur entscheiden, ob sie sich mit ihr verändern.“
Die Kundenbedürfnisse und die Geschäftsmodelle, die diesen gerecht werden, verschöben sich, so Coleman. Deshalb müssten Anbieter Ressourcen und Rollen anpassen, um ihre Kunden bestmöglich unterstützen zu können.
„Wann immer möglich, hat es für uns Priorität, Mitarbeitende in neue Rollen zu versetzen, die den wichtigsten Prioritäten und größten Chancen des Unternehmens entsprechen“, betont die Managerin. Und diese Priorität laute derzeit: KI.
Abschließend erklärt sie, Microsoft werde Strukturen und Prioritäten im gesamten Unternehmen „mit Bedacht“ weiterentwickeln. „Wir arbeiten an Alternativen zu Stellenstreichungen und werden weiterhin in die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden investieren – auch im Bereich KI.“
Was Kunden erwarten können
Microsoft ist nicht das einzige große Technologieunternehmen, das angesichts des KI-Booms Personal abbaut. Während die Branche Milliarden in KI investiert und strategische Partnerschaften mit führenden KI-Laboren eingeht, müssen diese Ausgaben teilweise durch Einsparungen ausgeglichen werden, da sich der wirtschaftliche Nutzen vieler Investitionen bislang noch nicht klar nachweisen lässt.
Amazon hat seit dem vergangenen Herbst beispielsweise 30.000 Stellen abgebaut. Google soll Gerüchten zufolge Mitarbeiter in seiner Cloud-Sparte entlassen. Meta strich allein im Mai rund 8.000 Stellen – etwa zehn Prozent der gesamten Belegschaft – und Oracle reduzierte seine Belegschaft kürzlich um 21.000 Mitarbeiter.
Für Kunden könnten diese Entwicklungen jedoch ebenfalls Folgen haben. Nach Einschätzung von Info-Tech-Analyst Randall müssen einige Microsoft-Kunden aufgrund der Stellenkürzungen künftig mit längeren Reaktionszeiten bei nicht strategischen Anfragen rechnen, insbesondere weil mehrere Kundenkonten künftig von weniger Ansprechpartnern betreut würden.
Gleichzeitig könnten wichtige Kunden mit umfangreichen Investitionen in KI, Daten, Sicherheit und Cloud angesichts der Investitionen in „Frontier Companies“ von einer intensiveren technischen Betreuung profitieren. Standardprozesse rund um Lizenzen und Support dürften dagegen schlanker organisiert werden, so Randall.
Darüber hinaus sollten Kunden mit einer stärkeren Einbindung von Partnern rechnen. Bereits seit Beginn des Geschäftsjahr 2027 (Anfang: 1. Juli 2026) lenke Microsoft Kunden verstärkt zu seinen Partnern – insbesondere bei Themen wie KI, Sicherheit, Cloud-Modernisierung, Copilot, KI-Agenten und Managed Services, so Randall. Zudem biete Microsoft seinen Partnern höhere Margen für Wachstum bei bestimmten KI-Workloads.
„Um sich auf diese Veränderungen vorzubereiten, sollten Kunden ihre Microsoft-Ansprechpartner und Support-Strukturen überprüfen und dokumentieren“, empfiehlt der Info-Tech-Analyst. Dazu gehöre, Support-Kontakte, Ansprechpartner bei Partnerunternehmen und Eskalationswege vollständig zu erfassen und diese Informationen intern zugänglich zu machen. Dasselbe gelte für alle Vereinbarungen mit Microsoft, etwa zu Preisannahmen, Abhängigkeiten in der Roadmap oder Meilensteinen bei Implementierungsprojekten.
„Auf diese Weise lässt sich der Übergang zu einem neuen Kundenbetreuer deutlich reibungsloser gestalten, da bereits festgelegte Vereinbarungen für das Unternehmen nachvollziehbar dokumentiert sind“, so Randall.
Die Lücke zwischen KI-Investitionen und ROI schließen
In der vergangenen Woche stellte Microsoft die 2,5 Milliarden Dollar schwere Initiative Frontier Company vor. Nach Angaben des Unternehmens geht sie über klassische Systemintegratoren und sogenannte Forward Deployed Engineers (FDEs) hinaus. Tausende Microsoft-Ingenieure sollen direkt in Kundenprojekten mitarbeiten, um gemeinsam KI-Lösungen zu entwickeln und zugleich das notwendige Know-how zu vermitteln, damit Unternehmen diese Projekte künftig eigenständig umsetzen können.
Kunden sollten diese Initiative allerdings nicht als klassische, beratungsintensive Projekte im McKinsey-Stil verstehen, betont Randall. Der Presales-Bereich werde sich wahrscheinlich stärker darauf konzentrieren, die konkreten Geschäftsprozesse eines Unternehmens für laufende KI-Implementierungen zu bewerten, anstatt umfassende Change-Management-Projekte zu begleiten.
Ähnlich wie andere Hyperscaler, beispielsweise AWS, setze Microsoft verstärkt auf ein besonders enges Betreuungsmodell, um zu verhindern, dass die Lücke zwischen KI-Investitionen und dem tatsächlichen KI-Mehrwert weiterwächst, erklärt der Analyst.
„Microsoft wird seine besten technischen Experten daher wahrscheinlich für Kunden reservieren, die klare Absichten für den produktiven Einsatz, ein belastbares Budget, nutzbare Daten und eine eindeutige Unterstützung durch das Top-Management vorweisen können“, prognostiziert Randall. (mb)
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von CIO.com.
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